Birke

Die Hänge- oder Sandbirke, Betula pendula, gehört, zusammen mit Hainbuche, Erle und Hasel, in die Familie der Betulaceae, der Birkengewächse.

Sie wird etwa dreißig Meter hoch und ist mit einem Alter von 80 bis 100 Jahren eher kurzlebig. Ihre Standorte sind eher feuchte, lichte Laub- und Nadelwälder, Moorböden. Als Pionierpflanze nahrungsarmer Böden findet man sie an Bahnlinien, auf Industriebrachen, in Steinbrüchen.

Die Birke ist von schlankem Wuchs mit hängenden Zweigenden. Diese leicht vom Wind zu bewegenden Zweige sind mit Korkwarzen versehen, die auf die in nächster Umgebung wachsenden Zweige anderer Bäume wie Schleifpapier wirken und der Birke Lichtkonkurrenten aus dem Weg schaffen / schmirgeln.

Ihre auffallend weiße, besonders im Jugendalter noch glatte Rinde entsteht durch den Farbstoff Betulin, ein Terpenabkömmling, der den Baum vor Fressfeinden und Nässe schützt.

Die herzförmigen, recht langstieligen Laubblätter mit dem doppelt gesägten Rand zeigen ihr helles Grün im Frühjahr, etwa zur Zeit der Blüte.

Mit einer Blütezeit von April bis Mai gehört die Birke zu den Frühblühern. Sie ist ein einhäusiger, getrenntgeschlechtlicher (Frauen und Männer leben in einem Haus, teilen aber nicht das Schlafzimmer) „Kätzchenblüher“. Weibliche Kätzchen sitzen aufrecht am Zweig, während die längeren, männlichen Kätzchen hängen und, sehr zur Freude der Allergiker, etwa fünf Millionen Pollenkörner pro Kätzchen zur Windbestäubung entlassen. Diese Mengen an Blütenstaub dienen auch Honigbienen als Futter.

Bis zum August, September haben sich mit etwa drei Millimetern sehr kleine Flügelnüsschen gebildet, die, ausgestattet mit einem dünnen Flügelhäutchen rechts und links der Nuss, vom Winde verweht werden. Sie sind bei Singvögeln begehrt.

Die Birke enthält Flavonoide, Saponine, Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle, Harz, Vitamin C und wird eingesetzt gegen Gicht, Arthritis, Rheuma. Tee aus Birkenblättern hilft gegen Nieren – und Blasenentzündungen, Nierengries und Blasensteine, er dient außerdem zur Entwässerung. Der Betulin-haltige Sud aus der Rinde hilft bei Hauterkrankungen.

Der von März bis April gewonnene Blutungssaft der Birke enthält 2% Zucker. Man kann ihn frisch trinken, zu Sirup einkochen, zu Wein vergären. Auch als Haarwasser findet er Verwendung.

Das aus der Rinde heraus gekochte „Birkenteer“ dient zur Versorgung kleiner Wunden und Hautkrankheiten, zum Abdichten von Booten und Gefäßen gegen Wasser, als sogenanntes „Juchtenöl“ zum Behandeln von Leder.

Einer der Mykorrhizapilze der Birke ist der hübsche Fliegenpilz, daneben gibt es aber auch noch einige andere Birkenbegleiter unter den Pilzen. Sie bietet Birkenwanze, Birken-Blattroller und Großer Birken-Blattwespe Wohnraum oder Nahrung und ihre Rinde besiedeln Flechten und Pilze.

Die nicht mehr ganz so fitte Birke ist Lebensraum und Nahrungsquelle für den besonders für unsere Vorfahren zum Feuer entzünden wichtigen Zunderschwamm, Fomes fomentarius, einen Porling, der bis zu dreißig Zentimeter Durchmesser erreicht und bei der Birke eine Weißfäule verursacht. Der Birkenporling ist ein weiterer Baumpilz der geschwächten Birke; er steht in dem Ruf, ein Heilpilz zu sein.

In früheren Zeiten diente ihre Rinde als Papierersatz, sie liefert Material für Zellstoff, Sperrholz, Reisigbesen und sehr schönes Furnierholz.

In der Nacht zum 1. Mai wird die Birke zum Maibaum. Geschält, damit sich keine bösen Geister unter ihrer Rinde festsetzen. Liederlichen Mädchen stellt man eine dürre, kleine Birke als „Schandmal“ vor die Tür.

Bei Hildegard Knef braucht eine Birke „Tapetenwechsel“: „…und als Kommode dachte sie noch immer, wie schön es doch im Birkenhaine war.“

Birke
Birke männliche Kätzchen
Birke weibliches Kätzchen
Birke weibliches und männliches Kätzchen