Berberitze

Sauerdorn, Essigbeere, Barberry (engl.)

Berberis vulgaris gehört, wie auch Mahonie und Elfenblume, in die Familie der Berberitzengewächse. Der bis zu drei Meter hohe Strauch wächst in Laubwäldern, Hecken, Parkanlagen und besonders in Gärten.

Neben eher kleinen, rundlich – ovalen Laubblättern besitzt der Strauch zu Dornen umgewandelte, sogenannte Blattdornen, die ihn vor Fressfeinden schützen und ihn gleichzeitig zu einer undurchdringlichen Hecke für größere und einem geschützten Lebensraum für Kleinlebewesen machen.

Die Rinde ist von braun-grauer Färbung; Holz und Wurzel sind in ihrem Inneren, durch den Gehalt an Berberin, leuchtend gelb.

Die Berberitze blüht gelb in hängenden Trauben mit etwa dreißig, aus sechs Blütenblättern bestehenden Blüten. Sie wirken kugelig – glöckchenförmig, daher der Name Berberitze, was auf Griechisch „kleine Muschel“ bedeutet. Blütenbesucher sind Fliegen, Käfer, Hautflügler. Die Staubblätter sind im unteren Teil druckempfindlich, d.h., wenn sie belastet werden, schnellen sie in Richtung Griffel zur Blütenmitte und bepudern so die Besucher mit Blütenstaub.

Der Strauch bildet blutrote Beeren mit ein bis zwei Samen, die auch im Winter hängenbleiben und von Vögeln verzehrt werden, die so, durch die Ausscheidung des unverdauten Samens, zur Pflanzenverbreitung beitragen.

Die Pflanze ist, außer den Früchten, besonders durch ihren Gehalt an Berberin, giftig. Der Verzehr kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Nierenreizungen führen.

Die Früchte enthalten Anthocyane, Fruchtsäuren, Gerbstoffe und sehr viel Vitamin C. Sie wirken antibakteriell, entzündungshemmend, fiebersenkend, schleimlösend, schweißtreibend. Sie können zu Marmelade, Saft, Chutney verarbeitet oder auch getrocknet, als „Berberitzen-Rosinen“, im Müsli gegessen werden. Sie sollen im Geschmack dem der Cranberries ähneln. Die Früchte sind ein fester Bestandteil der orientalischen Küche, z.B. in Reis- Fisch- Geflügelgerichten. Im Iran werden über 4000 Tonnen der Früchte im Jahr geerntet.

In der Volksheilkunde wird die berberinhaltige Wurzel bei Leber- und Galleleiden, Gelbsucht und Bauchspeicheldrüsenentzündungen eingesetzt, man findet sie in Teezubereitungen zur Unterstützung der Leber- und Gallenfunktion.

Durch den besonders hohen Gehalt an gelbem Berberin in den Wurzeln wurden diese zum Gelb färben von Stoffen, Leder und Holz verwendet.

Das sehr harte Holz dient zur Herstellung von Intarsien, Drechselarbeiten und Zahnstochern.

Der Aberglaube sagt, dreimal mit einer Berberitzenwurzel über den Bauch einer Schwangeren reiben führt zu einer Fehlgeburt.

Die Berberitze wurde in früheren Jahren stark bekämpft, da sie einem für das Getreide schädlichen Pilz, dem schwarzen Getreiderost, als Zwischenwirt dient.

Ist die Pflanze vom Pilz befallen, erkennt man an der Blattunterseite orange – rote Pusteln, die aus vielen kleinen, becherförmigen Gebilden bestehen, aus denen die Pilzsporen entlassen werden. Das geschieht im Frühling, denn dann kann der Wirtswechsel der Pilzsporen erfolgen.

Der neue Wirt, den sie mit Hilfe des Windes erreichen, ist eine Getreidepflanze. In deren Blatt entwickelt sich ein Pilzgeflecht, das dann wieder, austretend aus rostfarbenen Pusteln, neue Sporen in Richtung einer Berberitze in die Welt entlässt. Der Pilz entzieht der Pflanze die für die Kornentwicklung notwendigen Nährstoffe und kann so ganze Ernten vernichten.

Berberitzen können neben Rostpilzen auch Schlauchpilze wie Echten Mehltau (Phyllactinia berberidis oder Erysiphe berberidis) und einige weniger auffällige Arten beherbergen.

Berberitze Strauch
Berberitze