Fossile Seelilien

Fossile Seelilien

Bonifatiuspfennig, Hexengeld, Bauernpfennig, Teufelsgeld, Wichtelpfennig

Auch wenn ihr Name klingt wie der einer hübschen Blume, so handelt es sich bei Seelilien um Tiere. Seelilien gehören zusammen mit den Haarsternen als Crinoidea zu den Stachelhäutern (Echinodermata) und sind mit Seeigeln und Seesternen verwandt.

Seelilien waren und sind Meereslebewesen, sie wohnen fest verankert, also sessil (da steckt das gemütliche Wort „Sessel“ drin), am Meeresboden. Eine „Wurzel“ hält sie dort fest, es folgt ein Stiel, der an seinem oberen Ende einen Kelch trägt. Von diesem gehen fünf „Arme“ ab, die sich teilen können, sodass das Tier auf eine Zahl von zehn bis zwanzig „Armen“ kommt. Die „Arme“ ähneln im Aussehen Vogelfedern. Die fedrige Struktur dient dazu, Plankton aus dem vorbeifließenden Wasser zu filtern und zur Mundöffnung zu befördern.

Kelch und Arme wirken wie eine langzipfelige Krone.

Die Seelilie Encrinus liliiformis war Fossil des Jahres 2019; sie ist ein sogenanntes „lebendes Fossil“, da es sie seit vielen Millionen Jahren mit fast unveränderter Gestalt gibt, heutzutage auf der Südhalbkugel der Erde in Äquatornähe.

Das, was wir meist von Seelilien im Bergischen Land als Fossil finden, sind hauptsächlich versteinerte Stammsegmente. Funde, die aussehen wie ein von der Seite betrachteter Münzstapel, zeigt die Seitenansicht des ehemaligen Stängels. Funde, die aussehen wie eine Münze von oben betrachtet, zeigen Stängelquerschnitte. Sie können wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter Durchmesser erreichen. Die Absenkung in der Mitte entspricht dem ehemaligen Versorgungs- und Nervenkanal. Die nach außen weisenden Rillen geben dem Fossil auch den Namen „Sonnenrädchen“.

Seelilien

Im Erdzeitalter des Devon war die Gegend des heutigen Bergischen Landes eine Meeresgegend in der Nähe des Äquators. Als sich vor etwa 300 Millionen Jahren die Lebensbedingungen auf dem Sandboden im flachen Meer änderten, starben die massenhaft vorhandenen Seelilien ab, knickten zur Seite und wurden von Sandschichten überlagert, was ihre Zersetzung verhinderte.

Das massenhafte Vorkommen der Seelilien führte z.B. zur Bildung von Trochitenkalk (Trochiten = Münzsteine), also Kalkstein aus versteinerten Resten von Seelilien. In unserer Gegend (weitgehend ohne Kalk) sind die Seelilien-Glieder vor allem in devonischem Tonschiefer oder in Grauwacke-Steinen zu finden, die vielfach als Wasserbausteine Verwendung finden.

Der Name „Bonifatiuspfennig“ für die versteinerten Seelilienstängelabschnitte geht zurück auf einen englischen Missionar namens Bonifatius (675 – 757). Wer sich nicht zum christlichen Glauben bekannte, musste Abgaben in Form des Bonifatiuspfennigs zahlen.

Steinzeitmenschen fertigten Ketten aus den Seelilienstängelabschnitten, den Germanen waren sie ein Zeichen für Tapferkeit. Im Volksglauben sind sie ein Symbol für langes Leben, ein Heilmittel gegen Epilepsie und Melancholie.

Finden wir im Bergischen Land Steine mit versteinerten Seelilien, sind sie für uns ein Zeichen aus längst vergangenen Zeiten, als das Bergische Land, als „Bergisches Meer“, noch unter Wasser am Äquator lag.

Dazu ein kleiner Lesetipp: „Als das Bergische Land noch am Äquator lag“ (Tesche, Tesche-Ricciardi & Leja 2012).